Sie sind hier: mpnk - News - Presse

Details

< Stumm kommt in ganz neuem Gewand im August wieder
03.08.2016 08:04 Age: 201 days
Category: Presse

Mit „Jesus Christ“ fing alles an

Heute ist Matthias Stockinger längst beliebter Darsteller in Musicals bundesweit – Mit „Stumm“ hat er noch eine ganz andere Aufgabe


von SZ-Redakteurin Elke Jacobi

15 Jahre liegen zwischen Ihrem damals viel umjubelten Auftritt als Jesus Christ im gleichnamigen Musical am Krebsberg-Gymnasium und ihrer heutigen Tätigkeit als Regisseur von „Stumm“. Beginnen wir mit dem Blick zurück. An was erinnern Sie sich in Zusammenhang mit „Jesus Christ“?

Matthias Stockinger: Das war eine ganz tolle und aufregende Erfahrung für mich. Wir hatten eine sehr schöne Gemeinschaft untereinander und mit Peter Littner auch eine super Leitung. Da habe ich wirklich jeder Probe und jeder Aufführung entgegengefiebert. Lustigerweise spielt bei „Stumm“ 2016 auch ein Schulfreund – Nico Schneider – und JCS Gefährte von damals mit. Es ist schön, sich nach all den Jahren wieder bei einem Musical in Neunkirchen zu treffen.

 

Laut SZ-Bericht vom 28. Mai 2001 hatten sie damals, mit 18 Jahren, schon „Ambitionen, Schauspiel, Gesang und Tanz zu ihrem Beruf zu machen“. Wann und wie wurde dieser Wunsch geboren?

Stockinger: Ich wollte immer gerne etwas mit Musik machen und auf der Bühne stehen. Das fing schon in der Grundschule an und hat sich dann am GaK (Gymnasium am Krebsberg, Anm. d. Red) und in meiner Freizeit fortgesetzt. Der Wunsch, diesen Weg beruflich einzuschlagen, kam dann im Teenager-Alter auf, und von da an habe ich viel daran gesetzt, diesen Wunsch auch Wirklichkeit werden zu lassen. Ich bin mehrmals die Woche zum Tanzunterricht und habe auch Gesangsunterricht genommen. Nach einem kleinen Umweg über die Stage School in Hamburg habe ich dann an der international renommierten Folkwang Universität der Künste in Essen Gesang, Schauspiel und Tanz studiert.

Wie ging es nach „Jesus Christ“ weiter?

Stockinger: Nach JCS hatte ich so richtig Blut geleckt. Wir haben dann am GaK im Jahr darauf noch die „Drei Groschen Oper“ gemacht. Und danach war ich mir sicher: Ich muss so schnell wie möglich an eine Musicalschule. Also habe ich nach der zwölften Klasse das GaK verlassen, meinen Zivildienst gemacht und dann ging es zur Ausbildung.

Sie haben in vielen großen Inszenierungen in der gesamten Republik gespielt, aktuell werden Sie in Füssen Ludwig II. geben. Welches ist ihre liebste Rolle gewesen und warum?

Stockinger: Ich habe mehrere Rollen, die ich wirklich wahnsinnig gerne gespielt habe. Das sind der Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“, Che in „Evita“ und eben auch König Ludwig in „Ludwig2". Es ist immer dann besonders spannend, wenn man mit der Rolle tolle Geschichten und Konflikte erzählen und durchleben kann. Dann kann es auch mal eine kleinere Rolle sein, wie zum Beispiel der Eric in „Grand Hotel“, der mir trotz der überschaubaren Bühnenzeit sehr viel Freude gemacht hat.

Neunkirchen ist und bleibt dabei Ihre Heimatstadt? Wo sehen Sie Ihren Lebensmittelpunkt?

Stockinger: Ich bin auch nach Jahren in der Ferne ein Neinkerjer. Schließlich bin ich hier aufgewachsen und die Stadt hat mich geprägt. Zurzeit bin ich ja mehrmals wöchentlich hier und an so mancher Ecke kommen Erinnerungen an viele erste Male hoch… zum Beispiel als ich zum ersten Mal alleine mit dem 2er Bus zum Stummplatz gefahren bin an die Keksdose, oder auch der erste Liebeskummer am Wasserturm… also alles ganz besondere und unbezahlbare Dinge, die ich mit keiner anderen Stadt verbinden kann und will. Mein Lebensmittelpunkt liegt mittlerweile gar nicht soweit weg, in Trier.

Neunkirchen früher und heute . . .

Stockinger: Hmmm…. Ich bin nie so ganz sicher, ob sich die Stadt verändert hat oder die Augen durch die ich Neunkirchen sehe. Die Stadt hat sich ein super Image aufgebaut mit ihrem kulturellen Angebot, zu dem eben auch das Musicalprojekt gehört. Das hat wirklich auch überregional Aufmerksamkeit erregt. Natürlich haben sich auch einige Gebäude und Straßenbilder verändert, aber unterm Strich ist es eben doch noch das mir vertraute Neunkirchen meiner Kindheit und Jugend.

Haben Sie den Wandel zur „Musicalstadt“ verfolgt? Ihre Meinung dazu?

Stockinger: Ich habe den Wandel immer aus der Ferne mitverfolgt und bin ein ganz klarer Befürworter dieser Entwicklung. Man kann das kulturelle Engagement nicht hoch genug schätzen. Kultur in einer Stadt so nach vorne zu bringen, ist leider nicht selbstverständlich. Dabei profitiert die Stadt ja sehr davon. Die Leute kommen gerne zu den Vorstellungen und freuen sich, dass sie nicht nach Saarbrücken, Trier oder noch weiter fahren müssen. Das macht die Stadt sehr attraktiv und lebenswert. Das Musicalprojekt ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, und Neunkirchen kann zu Recht stolz auf dieses Projekt sein. Wie gesagt – man kennt Neunkirchen dadurch auch außerhalb des Saarlandes. Ich versuche da meinen Teil beizutragen und Künstler von Rang und Namen nach Neunkirchen zu holen, die beispielsweise mit den Teilnehmern des Musicalprojekts arbeiten (Maria Jane Hyde) oder als Gäste bei meinem Face-To-Face-Konzert am 10. Dezember in der Gebläsehalle auftreten. Dafür konnte ich beispielsweise Lucy Scherer gewinnen, die neben ihrer Musicalkarriere vor allem aus „Sturm der Liebe“ bekannt ist, und die US-Amerikanerin Sidonie Smith, die gerade unter anderem die Hauptrolle in dem Musical „The Bodyguard“ spielt und auch schon am Broadway in NY gesungen hat.

Welche Aufführungen des Musical-Projektes haben Sie bisher gesehen und welche mochten Sie warum am liebsten?

Stockinger: Ich konnte bisher live den „Jedermann“ sehen, den ich wirklich sehr gut fand, und „Steam“, das mir persönlich nicht so gut gefallen hat.

Zurück zu den Ursprüngen – was hat Sie veranlasst, in Neunkirchen (wieder) aktiv zu werden?

Stockinger: Ich lebe ja jetzt nur eine Autostunde von NK entfernt und da lag es für mich auf der Hand, in meiner Heimatstadt kulturell aktiv zu werden.

Was gefällt Ihnen gerade an „Stumm“ so besonders?

Stockinger: Stumm hat alles, was ein großes Musical braucht. Drama. Leidenschaft, Show-Nummern… Die Charaktere sind vielschichtig und gut geschrieben und die Musik ist sehr mitreißend und eingängig komponiert.

Hätte es auch was anderes sein dürfen?

Stockinger: Ja, ich hätte auch ein anderes Stück inszeniert, wenn ich etwas damit hätte anfangen können.

Welchen persönlichen Bezug haben Sie zum Neunkircher Eisenwerk?

Stockinger: Ich kenne das Eisenwerk aus Erzählungen von meiner Familie, und mein Opa hat in der Werkstatt 1 im Eisenwerk gearbeitet.

Sind weitere Projekte zusammen mit der Stadt geplant?

Stockinger: Ich unterrichte ja einmal die Woche in der Musikschule und außerdem sind wir gerade in der Planung für eines meiner Face-To-Face-Konzerte, das am 10. Dezember in der Gebläsehalle stattfinden soll.

Was ist Ihre Lieblingsszene in Stumm?

Stockinger: Das kann ich wirklich nicht sagen. In so einer Probenzeit schließe ich alle Rollen und ihre schönen und intensiven Momente ins Herz.

Was hat Ihnen an der ursprünglichen Inszenierung nicht gefallen?

Stockinger: Ich fand die ursprüngliche Inszenierung in sich sehr rund und schlüssig, aber natürlich gibt es immer Dinge, die man dann selbst anders machen würde. Diese Chance habe ich ja jetzt, und so wird zum Beispiel das Stück ganz anders beginnen und enden, Szenen sind anders angelegt und ich wage auch in einer Nummer einen sehr modernen HipHop-Zwischenpart. Ich bin überzeugt davon, dass so etwas dem Stück und auch dem Zuschauer gut tut, denn es gibt schon viele hochdramatische Szenen in Stumm. Da tut ein wenig Auflockerung zwischendurch zum Durchatmen auch mal ganz gut. Aber der klare Fokus liegt natürlich auf den Protagonisten und der Geschichte, die wir erzählen. Das Publikum darf sich auf einen Stumm freuen, der auch mal in ein etwas kritischeres Licht gerückt wird. Das Schöne am Theater ist ja, dass man nicht eins zu eins die damalige Zeit abbilden muss – das macht ja der Geschichtsunterricht in der Schule – sondern dass man sich auch etwas Fiktion erlauben darf… natürlich alles im Rahmen.

Früher war das Projekt eine große Familie, jeder hatte eine Chance irgendwo und irgendwie mitzuwirken. Sie haben gestrichen, wie es in den Pressemitteilungen heißt. Hatte das auch Abstriche in sachen Teamgeist zur Folge.

Stockinger: Der Projektgeist der dieses Jahr herrscht, ist ein sehr guter. Alle ziehen an einem Strang und sowohl Solisten, als auch die Hüttenarbeiter und Arbeiterfrauen, die dieses Jahr solistisch weniger oder auch solistisch nichts zu tun haben, wissen, dass sie für das Stück und die Inszenierung sehr wichtig sind. Das Stück braucht jeden Einzelnen, damit es funktioniert. Wir haben vor einigen Monaten ein Vorsingen/Vorsprechen gemacht, für alle, die sich für eine Solisten-Rolle interessieren. Da ging es in erster Linie darum, dass die Teilnehmer und Interessierten mir die Chance geben, sie kennenzulernen, denn ich war ja ganz neu in dem Projekt. Ich hätte mir noch mehr Männer gewünscht, aber unterm Strich sind ja auch in diesem Jahr wieder mehr als 100 Menschen beteiligt.

Sicher können Sie abschließend ein großes Geheimnis lüften: Was hat der Cancan mit Ferdinand Freiherr von Stumm zu tun?

Stockinger: Hahaha Ja, der Cancan…. Wie gesagt, wir betreiben auf der Bühne mit Stumm nur bedingt Geschichtsunterricht und es braucht aus dramaturgischer Sicht und für den Rhythmus des Stückes eben auch diese Shownummern, die einfach mal für ein paar Minuten „nur“ unterhalten dürfen und sollen. Ich finde den Cancan super und ziehe meinen Hut vor der Leistung der Darsteller/innen und Tänzer/innen, denn die Nummer ist schon Hochleistungssport.

 

Zum Thema:

Zur Person Matthias Stockinger wurde am 10. März 1983 in Neunkirchen geboren. Er war Schüler des Neunkircher Gmynasiums am Krebsberg, verließ die Schule aber nach der zwölften Klasse, um eine Bühnenausbildung zu beginnen. Sein Studium in Gesang und Schauspiel absolvierte er an der Folkwang-Hochschule in Essen. Danach spielte er unter anderem in „Rebecca“. Er gehörte zur Premierenbesetzung von Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ in Berlin, Oberhausen und Stuttgart, in der Rolle des Wirt Chagal und des Vampigrafen von Krolock. Bereits 2011 spielte er Ludwig II. in der Neuinszenierung von „Ludwig2“. Den spielt er auch aktuell wieder im Festspielhaus Füssen. Seit der Spielzeit 2012/13 ist er festes Ensemblemitglied des Theaters Trier, wo er auch lebt. Seit 2010 hat Stockinger sein eigenes Konzertkonzept Face To Face, das die Nähe zum Publikum auszeichnet. Abseit der Bühne hat er sich im Kulturmanagement weitergebildet, betreibt gemeinsam mit seinem Geschäftsparnter die Agentur Art und Weise – Agentur für Musical. ji

Zum Thema:

Auf einen Blick Das Musical-Projekt Neunkirchen gibt es seit 2003. Amateure proben unter einer professinellen Stab. Dieses Jahr führt Matthias Stockinger erstmals Regie. Das Musical „Stumm“ – 2009/ geschrieben von Martin Leutgeb, Andreas Puhl und Amby Schillo – feiert am 26. August in einer Neuinszenierung Premiere in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen. Rund 100 Musical-Begeisterte sind auf und hinter der Bühne aktiv. Die künstlerische Leitung hat Ellen Kärcher, die musikalische Leitung Andreas Puhl.. Modell und Konzeption des Bühnenbildes hat Designer Jochen Maas in Abstimmung mit dem künstlerischen Kreativ-Team entwickelt. Anlass für die Wiederaufnahme ist der 180. Geburtstag von Karl-Ferdinand Freiherr von Stumm in diesem Jahr. Für die Choreografien zeichnet Ellen Kärcher verantwortlich, für die Stadt ist Markus Müller als Produktionsleiter mit an Bord. Erstmals dabei ist Bernd Michael Sommer, der die Chor-Einstudierungen leitet. Aufführungen sind am 26., 27., 28., 30. und 31 August sowie am 2., 3. und 4. September, jeweils 20 Uhr. Karten zu 17, 20, 25 Euro bei Ticket-Regional, Telefon (06 51) 9 79 07 77. ji