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< So fantastisch wird das STEAM-Musical
29.07.2014 10:30 Age: 4 yrs
Category: Newsarchiv

Vorfreude auf eine neue Musical-Welt

„Steam“-Premiere rückt näher – Eindrücke von einer Probe im Bürgerhaus Neunkirchen Orthesen gehören diesmal zum Musicalgeschäft. Bei „Steam“ sind schon die Proben skurril. Dem Treiben der 85 Laiendarsteller im Reich der Unsterblichen und Naturgeister hat die SZ am Sonntag zugeschaut.


Bewegte Truppe im Bürgerhaus: Seit vielen Wochen laufen die Proben fürs neue Neunkircher Musical „Steam“. 85 Laiendarsteller gehen dabei engagiert zu Werke. Foto: Thomas Seeber

Neunkirchen. Ist das das Bürgerhaus? Schon, nur wirkt es seltsam geschrumpft, ausgeweidet. Bühne und Saal sind zu einer einzigen großen Probelandschaft verschmolzen, zu der unten eine Orchesterzone und oben hinterm Vorhang ein Kostüm-Verleih plus antikem Orthopädie-Fachhandel gehören.

Gerade eben zieht Kostümbildner Jochen Maas seiner Exzellenz, dem Sicherheitsminister, dort eine so genannte Orthese an – ein solides Gestell aus Leder und Metall, das den Oberarm beweglich am Unterarm fixiert. Nicht dass Rainer Dochow-Meister das nötig hätte. Im Gegenteil, das Ding stört erheblich. Zumal er am linken Bein auch noch eins trägt. Aber als privilegierter Angehöriger des Reiches Imorta, einer Art Club der Unsterblichen, versagt einem im Laufe der Jahrhunderte schon mal die eine oder andere Gliedmaße den Dienst. Es gilt also, Ersatz zu schaffen. Das wiederum ist eigentlich Sache der Mechaniker, die ihr genügsames Leben in „Aqua-Town“ im Parterre fristen.

Nicht so im wirklichen Leben, also jetzt, an einem schwülwarmen, nach Freibad schreienden Sommersonntagnachmittag im 12. Jahr des Musicalprojektes Neunkirchen. Da ist Jochen Maas für die Kostüme, vor allem aber für die Orthesen und anderen skurrilen, am Steampunk orientierten Details der Kostüme zuständig. Dass der hauptberufliche Designer das drauf hat, stellte er zuletzt bei den Todsünden im „Jedermann“ unter Beweis. Am Unterarmgestell zurrt er jetzt eine Gummi-Tastatur mit Kabelbinder fest. Und zaubert schon strahlend das nächste Teil hervor: „Da hab ich dir noch einen geilen Kommunikator gebaut.“ Hier ist jemand voll in seinem Element.

Was aber auch für die anderen Mitglieder des Leitungsstabes gilt. Und für die 85 Laiendarsteller sowieso. Sonst hätten sie nicht seit April jedes Wochenende singend, musizierend, tanzend und rezitierend in geschlossenen Räumen verbracht. Einer der jüngsten ist Marlon. Kaum eine Minute vergeht, in der der Zehnjährige aus St. Ingbert nicht irgendwelche Handstände und Breakdance-Nummern probiert. Sein Part als Sohn von Mechaniker Vilias ist klein, zwei Mal muss er einen halben Satz sprechen. Egal, „ich bin gern hier“, lacht Marlon und verrenkt sich schon wieder. Er wäre auch gut als kleiner Kobold aus Aetherna durchgegangen, dem Reich der Naturgeister. Inspirieren ließ sich das Autoren/Komponisten-Trio dafür von der Anthroposophie, die neben der sichtbaren eine übersinnliche, geistige Welt kennt, in der Elementarwesen wirken. „Es ist kein reines Steampunk-Musical“, betont die künstlerische Leiterin Ellen Kärcher. „Auch, wenn einige aus der Szene dabei sind und mit ihren eigenen Kostümen auftreten.“ Schon jetzt herrscht großes Interesse beim Steam-Klientel.

Aber auch das „normale“ Musicalpublikum ist längst im Boot. „Wir haben ein großes Fragezeichen geschaffen“, interpretiert der musikalische Leiter Francesco Cottone den super angelaufenen Kartenvorverkauf. Die Neugier ist geweckt, zu Recht. Erstmals erschafft das Musicalprojekt etwas quasi aus dem Nichts. Der dem Stück zugrunde liegende „Roman“ ist selbst geschrieben, etwas Vergleichbares existiert bislang nicht.

von Anja Kernig (Saarbrücker Zeitung)