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Lysistrate 2007

Lysistrate 2007Lysistrate/Lysistrata,
deutsch in etwa „Die Heeresauflöserin“, gehört zu den bekanntesten Komödien des griechischen Dichters Aristophanes. Sie wurde von ihm im Frühjahr 411 v. Chr. - im zwanzigsten Jahr des Peloponnesischen Krieges - zur Aufführung gebracht. Lysistrata ist nach „Die Frösche“ und „Der Friede“ das dritte der pazifistischen Stücke des Aristophanes, die den Krieg und die Wiederherstellung des Friedens zum Thema haben.

Die Titelheldin des Stücks, Lysistrate, ruft die Frauen von Athen und Sparta zusammen und stellt einen revolutionären Plan zur Beendigung des Krieges vor: die Frauen sollen sich so lange ihren Männern verweigern, bis diese Frieden schließen. Wenn gleich es sich in der weiteren Entwicklung schnell zeigt, dass die Liebessehnsucht auch bei den Frauen nur schwer unter Kontrolle zu halten ist, bleiben sie dennoch standhaft und der Liebesentzug führt schlussendlich zum Erfolg. Athen und Sparta schließen Frieden.

KampfesLust und LiebesList
Die Geschichte über Lysistrate hat über Hunderte von Jahren nichts an Brisanz verloren. Wir in Europa haben das große Glück, den Krieg in all seinen furchtbaren Facetten derzeit nicht zu erfahren. Seit über 60 Jahren gibt es keinen Krieg in unserem Land. Hoffen wir, dass es so bleibt. In so manchen Ländern wird „froh und munter“ gekämpft und getötet. Fast immer im Namen der Gerechtigkeit, aber auch im Namen Gottes. Beides rechtfertigt es nicht, zur Waffe oder zur Bombe zu greifen. Wir leben doch im 21. Jahrhundert und sind aufgeklärte Menschen – möchte man meinen.

Der Stoff Lysistrate gibt uns die Möglichkeit, sich mit dem Thema Krieg auf kritische und unterhaltsame Art und Weise auseinander zu setzen. Für manche ist Krieg ein Fest, ein Kampfplatz, um sich einen Orden zu verdienen und sich in der Männlichkeit zu beweisen. Der blutige Ernst des Krieges kristallisiert sich erst später heraus.

Ein für uns interessanter Aspekt wird sein, dass das Musical die Götter mit aufnimmt, und diese die Frage beantworten müssen, wie sie dazu stehen, wenn Kriege „im Namen der Götter“ geführt werden. Diesbezüglich wird also auch die aktuelle Fundamentalismus - Diskussion in unserer Gesellschaft gestreift.

Lysistrates Strategie gegen Gewalt und für Frieden fand immer wieder erfolgreiche Nachahmer, wie diese Berichte zeigen:

Focus Online 11.09.06
Streik der "geschlossenen Beine"/Sexstreik zähmt Straßengang
In der kolumbianischen Stadt Pereira haben Frauen mit einem Streik der "geschlossenen Beine" ihre Männer zur Abgabe ihrer Waffen bewegt.

Wie der örtliche Fernsehsender RCN berichtete, gaben insgesamt 20 Männer einer schießwütigen Straßengang ihre Waffen bei der Polizei ab. "Es klingt wie ein Witz. Aber die Jungs sind anhänglich, und wenn man sie ein wenig auflaufen lässt, dann reagieren sie schon", sagte eine junge Frau in Pereira. Einer der zum Besseren bekehrten Männer sagte: "Es ist schon in Ordnung. Jeder von uns braucht die Frauen, und durch sie haben wir uns geändert."

Tagesspiegel, 11.09.2006
Bogotá - "Auf diese Weise wollen wir unsere Männer davon überzeugen, dass wir keine Witwen sein wollen und unsere Kinder einen Vater brauchen", sagte die 18-jährige Ruth Macías, Mutter zweier Kinder. Auf einer vom Rat der Stadt im Westen Kolumbiens einberufenen Sitzung verpflichtete sie sich zusammen mit weiteren hundert Ehefrauen und Freundinnen von Mitgliedern gewalttätiger Banden, keinen Sex mehr mit ihnen zu haben, solange sie nicht der Gewalt abschwören. Der für Sicherheit in Pereira zuständige Beamte Julio César Gómez sagte, es habe einige Zeit gedauert, die größtenteils zwischen 15 und 18 Jahre alten Frauen dazu zu bringen, ihre Partner auch ohne Waffen und paramilitärische Outfits sexy zu finden.

Amtlichen Zahlen zufolge sind 90 Prozent der Toten in Pereira Opfer von Schießereien. 84 Prozent der Todesopfer sind Mitglieder von Straßengangs im Alter zwischen 14 und 25 Jahren. Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt 488 Morde registriert, das entspricht einer Rate von 97 auf 100.000 Einwohner, das Doppelte des nationalen Durchschnitts. (tso/AFP)

Ärzte Zeitung, 27.09.2001
Frauen treten in Sex-Streik
Die Frauen des 1300-Seelen-Ortes Bozyer in der Türkei sind in den Sex-Streik getreten, meldet die "Financial Times Deutschland". Solange ihr Dorf nicht mit sauberem Trinkwasser versorgt wird, wollen sie mit ihren Männern nicht mehr ins Bett.

Ein Sex-Streik im Dorf Sirt sei jetzt beendet worden, so die Zeitung. Die Behörden hätten zugesagt, die Wasserversorgung sicherzustellen.

Diese Form der Verweigerung wurde bereits 411 vor Christi Geburt erfolgreich ausgeübt. Lysistrata in Aristophanes gleichnamiger Komödie hat die Athenerinnen zum Ehestreik aufgerufen, bis ihre Männer den Peloponnesischen Krieg beendeten.